Anhaltende Erschöpfung fühlt sich oft zunächst erklärbar an. Die vergangenen Wochen waren anstrengend, im Beruf war viel zu tun oder familiäre Verpflichtungen ließen kaum Zeit zum Durchatmen. Doch manchmal kehrt die Kraft auch nach einem freien Wochenende, ausreichend Schlaf oder einem Urlaub nicht zurück.
Vielleicht funktionieren Sie nach außen weiterhin. Sie gehen zur Arbeit, kümmern sich um andere und erledigen das Notwendigste. Gleichzeitig kostet Sie immer mehr Kraft, was früher selbstverständlich war. Gespräche werden anstrengend, Entscheidungen fallen schwer und selbst angenehme Aktivitäten fühlen sich wie eine weitere Aufgabe an.
Viele Menschen suchen in dieser Situation nach dem Begriff „Erschöpfungsdepression“. Sie möchten wissen, ob ihre Beschwerden noch eine normale Reaktion auf Überlastung sind oder ob sich dahinter eine depressive Erkrankung verbergen könnte.
Eine eindeutige Antwort lässt sich nicht allein anhand einzelner Symptome geben. Anhaltende Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen und eine nachlassende Leistungsfähigkeit können unterschiedliche psychische und körperliche Ursachen haben. Entscheidend ist deshalb nicht nur, welche Beschwerden auftreten, sondern auch:
wie lange sie bereits bestehen,
wie stark sie den Alltag beeinträchtigen,
ob Freude, Interesse und Antrieb nachgelassen haben,
ob Entlastung noch zu einer spürbaren Erholung führt,
und welche weiteren psychischen oder körperlichen Symptome hinzukommen.
Der Begriff Erschöpfungsdepression kann eine erste Orientierung bieten. Er ersetzt jedoch keine fachliche Diagnose. Eine sorgfältige ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung hilft dabei, die Beschwerden einzuordnen und eine Behandlung zu finden, die zur persönlichen Situation passt.
Was versteht man unter einer Erschöpfungsdepression?
Mit „Erschöpfungsdepression“ beschreiben Menschen meist einen Zustand, in dem anhaltende Erschöpfung mit depressiven Beschwerden zusammenkommt. Häufig ist der Erkrankung eine längere Phase hoher Belastung vorausgegangen. Betroffene haben über Monate oder sogar Jahre versucht, berufliche, familiäre oder persönliche Anforderungen zu bewältigen, ohne sich ausreichend erholen zu können.
Die Erschöpfung geht dabei über gewöhnliche Müdigkeit hinaus. Schlaf oder Ruhe bringen keine verlässliche Erholung mehr. Gleichzeitig können Antrieb, Konzentration und Interesse nachlassen. Manche Menschen fühlen sich niedergeschlagen oder innerlich leer. Andere erleben vor allem Gereiztheit, Unruhe, körperliche Beschwerden oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren.
Typisch ist nicht unbedingt ein plötzlicher Zusammenbruch. Häufig entwickelt sich die Veränderung schleichend:
Erholung wird weniger wirksam.
Aufgaben benötigen mehr Kraft.
Pausen werden mit schlechtem Gewissen verbunden.
Soziale Kontakte und angenehme Aktivitäten werden reduziert.
Der Alltag wird zunehmend von Pflichten bestimmt.
Schließlich können selbst kleine Anforderungen überfordernd wirken.
Der Ausdruck „Erschöpfungsdepression“ ist verständlich, weil er das Erleben vieler Betroffener gut zusammenfasst. Medizinisch ist er jedoch nicht so eindeutig, wie der Begriff vermuten lässt.
Ist Erschöpfungsdepression eine offizielle Diagnose?
„Erschöpfungsdepression“ ist keine eigenständige, klar definierte Diagnose in den gebräuchlichen internationalen Klassifikationssystemen. Es gibt daher auch keinen einzelnen Symptomkatalog, anhand dessen eine Erschöpfungsdepression eindeutig festgestellt werden könnte.
In einer fachlichen Diagnostik kann sich hinter den Beschwerden beispielsweise eine depressive Episode verbergen. Abhängig von Symptomen, Verlauf und Lebenssituation kommen aber auch andere Einordnungen infrage, etwa eine Anpassungsstörung, eine Burnout-Symptomatik, eine Angststörung, eine Schlafstörung oder eine körperliche Erkrankung.
Für die Diagnose einer Depression reicht Erschöpfung allein nicht aus. Fachleute berücksichtigen unter anderem, ob über einen längeren Zeitraum eine gedrückte Stimmung, ein deutlicher Interessen- oder Freudverlust und eine Verminderung des Antriebs bestehen. Weitere mögliche Beschwerden sind Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schuldgefühle, Hoffnungslosigkeit, Veränderungen des Appetits oder Suizidgedanken.
Die Unterscheidung ist wichtig, weil ähnliche Beschwerden unterschiedliche Ursachen haben können. Wer sich ständig erschöpft fühlt, muss nicht automatisch depressiv sein. Umgekehrt kann eine Depression vorliegen, obwohl sich die betroffene Person selbst nicht als traurig erlebt.
Manche Menschen beschreiben im Erstgespräch eher:
„Ich bin nicht traurig. Ich kann einfach nicht mehr.“
Andere berichten:
„Bei der Arbeit halte ich noch durch. Sobald ich zu Hause bin, geht nichts mehr.“
Solche Aussagen schließen eine Depression nicht aus. Depressive Erkrankungen zeigen sich nicht bei jedem Menschen gleich. Erschöpfung, Reizbarkeit, Schlafstörungen, körperliche Beschwerden oder Konzentrationsprobleme können subjektiv stärker wahrgenommen werden als Niedergeschlagenheit.
Gibt es einen ICD-10-Code für Erschöpfungsdepression?
Einen eigenen ICD-10-Code mit der Bezeichnung „Erschöpfungsdepression“ gibt es nicht. Die Kodierung richtet sich danach, welche Diagnose nach einer fachlichen Untersuchung tatsächlich gestellt wird.
Wird eine depressive Episode diagnostiziert, kommen beispielsweise Codes aus dem Bereich F32 infrage. Bei wiederkehrenden depressiven Episoden kann die Diagnose dem Bereich F33 zugeordnet werden. Welche Einordnung angemessen ist, hängt unter anderem von der Anzahl, Dauer und Schwere der Symptome sowie von früheren Krankheitsphasen ab.
Das bedeutet nicht, dass der Leidensdruck hinter dem Begriff Erschöpfungsdepression weniger real wäre. Es bedeutet lediglich, dass die umgangssprachliche Bezeichnung allein noch nicht erklärt, welches Krankheitsbild vorliegt.
Für Betroffene ist die genaue Codierung meist weniger wichtig als drei praktische Fragen:
Was verursacht oder verstärkt meine Beschwerden?
Welche Form der Unterstützung brauche ich?
Wie lässt sich mein Alltag wieder stabilisieren?
Die diagnostische Bezeichnung hilft vor allem dabei, diese Fragen fachlich fundiert zu beantworten und die Behandlung daran auszurichten.
Warum wird der Begriff trotzdem so häufig verwendet?
Der Begriff verbindet zwei Erfahrungen, die viele Menschen gleichzeitig machen:
das Gefühl, keine Kraft mehr zu haben,
und eine zunehmende Veränderung von Stimmung, Antrieb oder Lebensgefühl.
Er passt zudem zu einem häufigen Erklärungsmodell: Eine Person war lange belastbar, hat viel Verantwortung übernommen und eigene Bedürfnisse zurückgestellt. Irgendwann scheint das bisherige Funktionieren nicht mehr möglich zu sein.
Dieses Modell kann einen Teil der Entwicklung erklären. Es sollte jedoch nicht zu dem Schluss führen, eine Depression entstehe immer ausschließlich durch zu viel Arbeit oder Stress. Depressive Erkrankungen entwickeln sich in der Regel durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Dazu können aktuelle Belastungen, frühere Erfahrungen, persönliche Bewältigungsmuster, soziale Bedingungen, körperliche Erkrankungen und eine individuelle Anfälligkeit gehören.
Auch eine objektiv belastende Lebenssituation führt nicht bei jedem Menschen zu denselben Beschwerden. Umgekehrt kann eine depressive Episode auftreten, ohne dass sich ein einzelner äußerer Auslöser bestimmen lässt.
Eine fachlich hilfreiche Einordnung lautet deshalb:
Länger anhaltende Belastung kann zur Entstehung oder Aufrechterhaltung depressiver Beschwerden beitragen. Sie ist aber nicht automatisch die einzige Ursache.
Diese Perspektive entlastet Betroffene. Die Erkrankung ist weder ein Beweis für persönliches Versagen noch lässt sie sich meist durch den einfachen Rat lösen, weniger zu arbeiten, positiver zu denken oder sich besser zu organisieren.
Was unterscheidet Erschöpfungsdepression von gewöhnlicher Erschöpfung?
Erschöpfung ist zunächst eine normale Reaktion des Körpers. Nach hoher körperlicher oder psychischer Belastung benötigen Menschen Ruhe. Bei gewöhnlicher Erschöpfung verbessert sich der Zustand meist, wenn die Belastung nachlässt und ausreichend Schlaf, Pausen und angenehme Aktivitäten möglich werden.
Bei behandlungsbedürftigen Beschwerden kann diese Erholung ausbleiben. Betroffene schlafen möglicherweise lange und wachen dennoch erschöpft auf. Ein freier Tag bringt keine neue Energie. Aktivitäten, die früher entspannt oder Freude bereitet haben, fühlen sich anstrengend oder bedeutungslos an.
Hinweise darauf, dass mehr als eine vorübergehende Erschöpfung vorliegen könnte, sind beispielsweise:
Die Beschwerden halten über Wochen an.
Schlaf und Ruhe führen kaum zu Erholung.
Interesse oder Freude lassen deutlich nach.
Selbst kleine Aufgaben wirken ungewöhnlich schwer.
Die Konzentration oder Entscheidungsfähigkeit verschlechtert sich.
Kontakte werden zunehmend vermieden.
Die Leistungsfähigkeit nimmt in mehreren Lebensbereichen ab.
Hoffnungslosigkeit, Schuldgefühle oder starke Selbstzweifel kommen hinzu.
Körperliche Beschwerden bestehen, ohne dass die Belastung allein alles erklärt.
Keines dieser Anzeichen beweist für sich genommen eine Depression. Die Gesamtheit, Dauer und Intensität der Beschwerden geben jedoch einen wichtigen Hinweis darauf, ob eine professionelle Abklärung sinnvoll ist.
Warum können Betroffene oft noch lange weiter funktionieren?
Psychische Erkrankungen sind nicht immer von außen erkennbar. Viele Betroffene versuchen, ihre gewohnte Rolle möglichst lange aufrechtzuerhalten. Sie gehen weiter zur Arbeit, beantworten Nachrichten, kümmern sich um Kinder oder Angehörige und erfüllen Verpflichtungen.
Dieses Funktionieren hat häufig einen hohen Preis. Die verbleibende Energie wird fast vollständig für das Notwendige eingesetzt. Alles, was nicht dringend erscheint, fällt weg:
Freunde treffen
kochen
Sport treiben
Interessen nachgehen
aufräumen
Entscheidungen treffen
sich um die eigene Gesundheit kümmern
Nach außen kann dadurch der Eindruck entstehen, die Person komme noch zurecht. Innerlich verengt sich das Leben jedoch zunehmend auf Pflichten und Regeneration.
Gerade leistungsorientierte oder verantwortungsbewusste Menschen bewerten dieses Nachlassen häufig als persönliches Versagen. Sie erhöhen den Druck auf sich, arbeiten länger oder versuchen, ihre Erschöpfung durch noch mehr Disziplin auszugleichen. Dadurch können notwendige Erholungsphasen weiter ausbleiben.
In einer fachlichen Einschätzung wird deshalb nicht nur gefragt, ob jemand eine Aufgabe noch erledigt. Ebenso wichtig ist:
Wie viel Kraft kostet sie?
Was ist danach noch möglich?
Welche Lebensbereiche werden dafür vernachlässigt?
Wie lange lässt sich dieser Zustand aufrechterhalten?
Die Tatsache, dass ein Mensch weiterhin arbeitet oder Verantwortung übernimmt, sagt wenig darüber aus, wie groß sein Leidensdruck ist. Man muss nicht erst vollständig zusammenbrechen, um Unterstützung in Anspruch nehmen zu dürfen.
Symptome einer Erschöpfungsdepression: Mehr als anhaltende Müdigkeit
Viele Menschen verbinden eine Erschöpfungsdepression vor allem mit extremer Müdigkeit. Tatsächlich ist anhaltende Erschöpfung eines der häufigsten Symptome. Sie allein beschreibt die Erkrankung jedoch nicht.
Eine Erschöpfungsdepression kann sich auf Gedanken, Gefühle, Verhalten und den Körper auswirken. Nicht jeder Mensch erlebt dieselben Beschwerden. Manche leiden vor allem unter körperlicher Erschöpfung, andere bemerken zunächst Konzentrationsprobleme oder ziehen sich zunehmend zurück. Wieder andere berichten, dass sie zwar weiter funktionieren, sich aber innerlich leer oder emotional abgestumpft fühlen.
Gerade diese unterschiedliche Ausprägung macht es schwierig, die Beschwerden selbst richtig einzuordnen. Deshalb betrachten Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeutinnen oder Psychotherapeuten immer das Gesamtbild und nicht einzelne Symptome.
Psychische Symptome
Die psychischen Veränderungen entwickeln sich häufig schleichend. Viele Betroffene können den genauen Beginn später kaum benennen. Rückblickend fällt ihnen jedoch auf, dass sie sich über längere Zeit verändert haben.
Antrieb und Motivation nehmen spürbar ab
Was früher selbstverständlich war, kostet plötzlich deutlich mehr Kraft.
Vielleicht schieben Sie alltägliche Aufgaben immer weiter vor sich her. Nicht, weil Sie keine Verantwortung übernehmen möchten, sondern weil Ihnen die Energie dafür fehlt.
Manche Betroffene beschreiben es so:
„Ich weiß genau, was ich tun müsste. Aber ich bekomme mich einfach nicht dazu.“
Dieses Erleben wird von Außenstehenden manchmal als mangelnde Motivation missverstanden. Tatsächlich kann bereits das Treffen kleiner Entscheidungen außergewöhnlich anstrengend sein.
Freude geht verloren
Ein weiteres häufiges Merkmal ist, dass Aktivitäten ihre positive Wirkung verlieren.
Früher haben Spaziergänge, Treffen mit Freunden oder ein Hobby dabei geholfen, abzuschalten. Jetzt fühlen sich diese Dinge häufig neutral oder sogar belastend an.
Viele Betroffene sagen nicht: „Ich möchte nichts mehr machen.“
Sondern eher:
„Ich würde gerne wieder Freude daran haben, aber sie stellt sich einfach nicht mehr ein.“
Dieser Unterschied ist wichtig. Häufig besteht der Wunsch nach einem normalen Leben weiterhin. Die Fähigkeit, positive Gefühle zu erleben, ist jedoch deutlich eingeschränkt.
Konzentration fällt schwer
Viele Menschen suchen zunächst wegen Konzentrationsproblemen Hilfe und vermuten dahinter beruflichen Stress oder Überlastung.
Typische Schwierigkeiten sind:
Gesprächen nicht mehr lange folgen können
Texte mehrfach lesen müssen
häufig den Faden verlieren
Termine oder Absprachen vergessen
Schwierigkeiten, Prioritäten zu setzen
deutlich länger für vertraute Aufgaben benötigen
Gerade Menschen mit hoher beruflicher Verantwortung erleben diesen Kontrollverlust oft als besonders belastend.
Grübeln und Selbstzweifel
Mit zunehmender Erschöpfung entstehen häufig belastende Gedankenschleifen.
Betroffene hinterfragen ihre Leistungsfähigkeit, machen sich Vorwürfe oder vergleichen sich ständig mit anderen.
Gedanken wie…
„Ich stelle mich nur an.“
„Andere schaffen das doch auch.“
„Ich darf jetzt nicht schwach werden.“
sind keine Seltenheit. Das kann dazu führen, dass notwendige Pausen immer weiter hinausgezögert werden und sich die Beschwerden zusätzlich verstärken.
Gefühle verändern sich
Nicht jeder Mensch mit einer depressiven Erkrankung erlebt vor allem Traurigkeit.
Ebenso häufig berichten Betroffene über:
innere Leere
emotionale Erschöpfung
Gereiztheit
Hoffnungslosigkeit
das Gefühl, sich selbst nicht mehr richtig zu spüren
schnelle Überforderung
geringe Belastbarkeit
Manche beschreiben ihren Zustand so, als würde der Alltag nur noch automatisch ablaufen.
Körperliche Symptome
Psychische Erkrankungen zeigen sich häufig auch körperlich. Diese Beschwerden sind real und sollten ernst genommen werden. Gleichzeitig können ähnliche Symptome auch durch körperliche Erkrankungen entstehen. Deshalb gehört zu einer sorgfältigen Diagnostik immer auch die Frage, ob andere medizinische Ursachen vorliegen könnten.
Erschöpfung trotz Schlaf
Viele Betroffene schlafen ausreichend oder sogar länger als früher und fühlen sich morgens trotzdem nicht erholt.
Der Unterschied zu gewöhnlicher Müdigkeit besteht darin, dass Schlaf die Energiereserven nicht mehr zuverlässig auffüllt.
Ein Wochenende oder ein Urlaub reichen häufig nicht aus, um wieder zu Kräften zu kommen.
Schlafstörungen
Ebenso häufig wie vermehrtes Schlafbedürfnis treten Schlafstörungen auf.
Zum Beispiel:
Schwierigkeiten beim Einschlafen
häufiges Aufwachen
frühes Erwachen
unruhiger Schlaf
das Gefühl, nie richtig ausgeschlafen zu sein
Dadurch entsteht oft ein belastender Kreislauf: Schlechter Schlaf verstärkt die Erschöpfung, die Erschöpfung wiederum erhöht die psychische Belastung.
Körperliche Beschwerden ohne eindeutige Ursache
Viele Menschen berichten zusätzlich über Beschwerden wie:
Kopf- oder Nackenschmerzen
Verspannungen
Rückenschmerzen
Magen-Darm-Beschwerden
Schwindel
Herzklopfen oder Herzrasen
Muskelbeschwerden
Diese Symptome bedeuten nicht automatisch, dass eine psychische Erkrankung vorliegt. Umgekehrt schließen unauffällige körperliche Untersuchungen eine Depression ebenfalls nicht aus.
Gerade deshalb ist es wichtig, psychische und körperliche Gesundheit nicht getrennt voneinander zu betrachten.
Veränderungen im Alltag
Oft sind es weniger einzelne Symptome als kleine Veränderungen im täglichen Leben, die Angehörigen oder Betroffenen zuerst auffallen.
Alles kostet mehr Kraft
Viele berichten, dass sie ihren Tag zunehmend nach ihrer verfügbaren Energie planen.
Nach der Arbeit reicht die Kraft beispielsweise nur noch für das Nötigste…
Der Haushalt bleibt liegen…
Telefonate werden verschoben…
Freunde werden immer seltener getroffen…
Nicht aus mangelndem Interesse, sondern weil jede zusätzliche Aktivität als Belastung empfunden wird.
Entscheidungen werden schwierig
Selbst einfache Entscheidungen können überraschend viel Energie kosten. Zum Beispiel:
Was koche ich heute?
Soll ich einkaufen gehen?
Antworte ich jetzt auf diese Nachricht?
Schaffe ich den Termin morgen?
Viele Betroffene erleben diese dauernde innere Abwägung als ausgesprochen belastend.
Rückzug entsteht oft schleichend
Sozialer Rückzug bedeutet nicht zwangsläufig, dass kein Interesse mehr an anderen Menschen besteht.
Oft fehlt schlicht die Kraft.
Ein gemeinsames Abendessen, ein Geburtstag oder ein Telefonat können plötzlich so anstrengend wirken, dass sie immer häufiger abgesagt werden.
Für Angehörige wirkt das manchmal wie Desinteresse.
Für Betroffene fühlt es sich eher so an, als würde die Energie für alles gleichzeitig nicht mehr ausreichen.
Warum Symptome allein keine Diagnose erlauben
Viele der beschriebenen Beschwerden können auch bei anderen Erkrankungen auftreten.
Dazu gehören beispielsweise:
Schilddrüsenerkrankungen
Schlafstörungen
Eisenmangel
chronische Entzündungen
Angststörungen
Anpassungsstörungen
Nebenwirkungen bestimmter Medikamente
andere depressive Erkrankungen
Deshalb besteht eine Diagnostik nicht aus einer Checkliste.
Entscheidend ist immer das Gesamtbild:
Welche Symptome bestehen?
Seit wann?
Wie stark beeinträchtigen sie den Alltag?
Welche Lebensbereiche sind betroffen?
Gab es belastende Ereignisse?
Welche körperlichen Ursachen wurden bereits ausgeschlossen?
Erst diese Gesamtschau ermöglicht eine fundierte diagnostische Einordnung.
Wann sollten Sie die Beschwerden ärztlich oder psychotherapeutisch abklären lassen?
Nicht jede Phase großer Erschöpfung erfordert sofort eine psychotherapeutische Behandlung.
Eine fachliche Abklärung ist jedoch sinnvoll, wenn Beschwerden über mehrere Wochen anhalten, sich zunehmend verstärken oder den Alltag deutlich beeinträchtigen.
Dazu gehören beispielsweise Situationen, in denen Sie:
sich trotz ausreichender Erholung dauerhaft erschöpft fühlen,
Ihre Arbeit oder den Alltag nur noch mit großer Anstrengung bewältigen,
kaum noch Freude an früher wichtigen Aktivitäten empfinden,
sich zunehmend zurückziehen,
das Gefühl haben, nur noch zu funktionieren,
oder bemerken, dass Hoffnungslosigkeit und Selbstzweifel immer stärker werden.
Viele Menschen warten sehr lange, bevor sie sich Unterstützung suchen. Nicht selten aus dem Gedanken heraus, sie müssten „nur noch ein wenig durchhalten“.
Gerade bei schleichend entstandenen Beschwerden fällt es schwer zu erkennen, wann aus einer vorübergehenden Überlastung eine behandlungsbedürftige psychische Erkrankung geworden ist.
Eine fachliche Abklärung bedeutet deshalb nicht, dass bereits eine bestimmte Diagnose feststeht. Sie dient zunächst dazu, die Beschwerden sorgfältig einzuordnen, mögliche körperliche Ursachen auszuschließen und gemeinsam zu überlegen, welche Form der Unterstützung Ihrer Situation am besten entspricht.
Erschöpfungsdepression ernst nehmen, aber nicht vorschnell selbst diagnostizieren
Anhaltende Erschöpfung ist kein Zeichen von Schwäche. Gleichzeitig bedeutet sie nicht automatisch, dass eine Erschöpfungsdepression oder eine andere depressive Erkrankung vorliegt.
Beschwerden wie Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren, können unterschiedliche psychische und körperliche Ursachen haben. Gerade deshalb ist eine sorgfältige fachliche Abklärung wichtig. Sie hilft dabei, die Beschwerden einzuordnen und gemeinsam zu entscheiden, welche Unterstützung sinnvoll ist.
Viele Betroffene berichten rückblickend, dass sie ihre Warnsignale lange unterschätzt haben. Sie hofften, dass ein Urlaub, weniger Stress oder etwas mehr Schlaf ausreichen würden. Manchmal ist das tatsächlich der Fall. Halten die Beschwerden jedoch über Wochen an oder beeinträchtigen sie Ihren Alltag zunehmend, lohnt es sich, das Gespräch mit Ihrem Hausarzt, einem Facharzt oder einem Psychotherapeuten zu suchen.
Nicht jede psychische Belastung erfordert eine intensive Behandlung. Manchmal reichen ambulante Gespräche aus. In anderen Situationen kann eine tagesklinische oder stationäre Behandlung sinnvoll sein – etwa wenn der Alltag kaum noch bewältigt werden kann oder ambulante Unterstützung nicht mehr ausreicht.
Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, wann eine intensivere Behandlung infrage kommen kann und wie eine Behandlung in einer privaten Tagesklinik abläuft, finden Sie weitere Informationen auf unserer Seite zur Behandlung einer Erschöpfungsdepression.
Über unsere leitende Chefärztin: Dr. Martina Stolzenburg
Seit 2000 Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie sowie Psychosomatik. Zertifiziert als systemisch-konstruktivistisch-lösungsorientierte Supervisorin (BTS Mannheim). Leitende Chefärztin der Promenta Tagesklinik.
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